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Lohndumping
#1
Da sich in letzter Zeit auf dieser Seite Jobangebote gehäuft haben, in denen für japanologiebezogene Aufgaben wie Übersetzungen Hungerlöhne und darunter geboten wurden, hier eine Frage an die Mituser*innen dieses Forums.

Sollen wir künftig Angebote wie das von Rena2 ( 20 Seiten-Übersetzung Japanisch->Deutsch für 100€ auf Verhandlungsbasis) als Spam behandeln und löschen oder sollen wir es handhaben wie bisher und auch solche Angebote veröffentlicht lassen?

In solchen Fällen sehe ich mich immer zwischen zwei Stühlen. Einerseits macht es mich wütend zu sehen, wie Lohndumping allenorts blüht und gedeiht und kaum jemand etwas dagegen unternimmt, andererseits würde es natürlich einer Bevormundung nahekommen, Angebote nicht zu veröffentlichen, da eh jeder für sich hoffentlich über das Augenmaß verfügt sich gegen unseriöse Stellenausschreibungen zu entscheiden.

Aus diesem Grund würde ich zu diesem Thema um Wortspenden hier im Forum ersuchen.
 
#2
Ich glaube, dass Leute die solche Posts tätigen wissen müssen, dass ihr Angebot unverhältnismäßig ist. Wenn solche Lohndumping-Posts in spamartigen Ausmaß vorkommen würde ich auf jeden Fall empfehlen, diese zu löschen. Vielleicht gibt es ja einige Kolleginnen/Kollegen die noch nicht im Berufsleben gestanden haben und nicht wissen wieviel ihre Arbeit wert ist. Natürlich ist da auch Eigenverantwortung gefragt.

Leider versuchen viele potentielle Arbeitgeber vor allem wenn es um japanische Übersetzungen/Dolmetschen geht Studenten über den Tisch zu ziehen. Ich empfinde im Übrigen auch unbezahlte Pflichtpraktika im universitären Bereich als problematisch.

lg Smile
 
#3
Ich würde einfach ein Unterforum "Jobangebote" einrichten (lassen) und dort einen Thread mit ein paar Richtlinien pinnen. Dann soll jede/r lesen und selbst entscheiden.

Ich glaube, dass viele, die als Privatpersonen Jobangebote reinstellen, selbst keine Idee davon haben, ob ihre Honorarvorstellungen fair sind oder nicht.

Löscht man Einträge noch vor der Veröffentlichung, fehlt die Möglichkeit zur Diskussion und zum Vergleich. Das wäre schade.
OB
 
#4
Stimmt, das wäre auch eine sehr gute Möglichkeit. Hoffentlich werden die Richtlinien gelesen.

Zumindest kann man darauf verweisen falls sie es nicht tun, ohne dass man jeden einzeln darüber aufklären muss.

Auch wieder wahr. Smile
 
#5
Als Privatperson, die keine Ahnung von Übersetzen hat, nur begrenzte Geldmittel zur Verfügung hat (sprich, selber Student) und zudem kein Sprachstudium absolviert hat, ist das sicherlich schwer einzuschätzen, was ein angemessener Lohn ist.

Ich hätte z.B. auch keine Ahnung, wieviel ich für das Durchrechnen von mathematischen Formeln verlangen müsste oder da Abklopfen von Rechtstexten.

Man kann ja einfach darauf hinweisen, dass ein vorgeschlagener Lohn zu wenig ist, damit der/diejenige das auch versteht, wieviel Aufwand das schlussendlich ist.

Auch wenn hier nicht extrem viel los ist, ein Unterforum für Arbeit(sangebote) finde ich eine gute Idee.
 
#6
Ja, das ist tatsächlich ein ziemlich schwieriges Thema. Da ich selber als Übersetzer tätig bin, kann ich über Bezahlungen wie 100 Euro für 20 Seiten (japanischer Text!) nur lachen. Ein seriöser Übersetzer verlangt bei kurzen Fachtexten J->D üblicherweise ab 20 Cent pro Zeichen, je größer der Auftrag, um so günstiger wird es natürlich. Meistens sind 100 Euro pro Seite jedoch schon sehr knapp kalkuliert, denn eine japanische Seite wird im Deutschen leicht zu 3 oder 4 Seiten, oft sogar noch mehr.
Dann kommt noch dazu, gerade im medizinischen Bereich ist es oft ohne Fachkenntnisse nicht zu schaffen, wenn ich z.B. nicht hundertprozentig sicher bin, eine ordentliche Übersetzung abzuliefern, lehne ich den Auftrag lieber ab.

Deshalb verwundern mich solche Anfragen immer, wie kommen die Leute (oder sogar Firmen) auf die Idee, hier anzufragen?
Wenn jemand für's Studium etwas braucht und nicht viel zahlen kann, lasse ich es mir ja einreden, aber bei Firmen ist es für mich unverständlich. Schließlich wollen die ja mit der Übersetzung (oder meistens dem Produkt, welches beschrieben ist) Geld verdienen aber sparen dann an der falschen Stelle. Dann sollen sie es gleich von Google-Translate übersetzen lassen, ist auch nicht viel schlechter als ein Billig-Übersetzer.

Ein Jobangebot/Jobsuche-Unterforum wäre sicher einmal ein Anfang, wie sollen wir dann aber wirklich mit lächerlichen Angebote umgehen?
Ich denke schon, dass die Forumsoftware unterstützt, dass Beiträge im Jobforum erst freigeschalten werden, nachdem sie von einem Moderator kontrolliert worden sind.
Wäre das sinnvoll oder sollte erst nachträglich eingegriffen werden?
 
#7
Von den Unternehmen ist es wirklich eine Frechheit, denn die wissen genau was sie tun. Aus unternehmerischer Sicht bilden die Personalkosten den größten Kostenblock im Unternehmen. Da holen sie sich natürlich lieber die vermeintlich billigen Studenten.

Vielleicht spekulieren sie darauf, dass viele eben nicht wissen, was sie verlangen können/dürfen. Ich hätte vor deinem Post auch nicht gewusst, was man für J => D Übersetzungen verlangen kann, da ich in diesem Bereich noch nicht gearbeitet habe. (Danke für die Info btw Smile ). Aber vom Augenmaß her erscheinen auch mir die 100 € f. 20 Seiten Medizin-Fachtext schon recht lachhaft.

Wenn die lächerlichen Angebote erst nach Überprüfung freigeschalten würden müssten sich die Kollegen und Kolleginnen nicht mehr über diese Posts ärgern. Nachteile könnten sein: vielleicht fühlen sich manche Kollegen/Kolleginnen durch den Eingriff bevormundet. Mehr Arbeit für den Admin.

Vielleicht möchten die Kolleginnen u Kollegen dazu noch Stellung nehmen welche Variante sie bevorzugen würden. Man könnte vielleicht eventuell auch eine Art Online-Abstimmung machen.
 
#8
(28.08.2014, 21:40)tachibana schrieb: Ich würde einfach ein Unterforum "Jobangebote" einrichten (lassen) und dort einen Thread mit ein paar Richtlinien pinnen. Dann soll jede/r lesen und selbst entscheiden.

Sowas in die Richtung finde ich auch gut, gerade wenn man in den "Richtlinien" einen Richtwert für Übersetzungen angibt. Das kommt sowohl den Anbietern als auch den Mitgliedern zugute. Dann wäre hoffentlich auch eine Zensur von Seiten der Moderatoren nicht mehr notwendig, sondern jeder kann sich selbst überlegen, ob er das Angebot für angemessen hält.
 
#9
Danke für die bisherigen Beiträge.

Ich fasse also einmal zusammen:

Heart 0. Erwünscht wäre auf jeden Fall eine Forumskategorie für Jobangebote.

Darüber wie man mit extremem Lohndumping umgehen möchte, herrscht noch ein bisschen Uneinigkeit. Möglichkeiten, mit dem Problem umzugehen wären:

Heart 1. Alle Jobangebote zulassen- der Umgang mit unfairen Angeboten wird den User*innen selbst überlassen
Heart 2. Disclaimer mit Richtlinien für unverbindliche Lohnuntergrenzen- Angebote, die darunter sind, werden nicht gelöscht
Heart 3. Disclaimer mit Richtlinien für verbindliche Lohnuntergrenzen - Angebote, die darunter sind, werden gelöscht
Heart 4. Komplette Vorselektion aller Angebote durch die Mods

Weitere Vorschläge sowie eine vertiefende Diskussion der bestehenden ist sehr erwünscht.
 
#10
Ich wäre eher dafür, die Leute zu informieren, damit sie dann selbst die Entscheidung treffen können. Meiner Erfahrung nach wissen viele oft nicht ein Mal was ein schlechter Deal ist, und wieso—obwohl sich alle ausrechnen könnten, dass 100 Euro für 20+ Stunden Arbeit nix bringt.

Mein Vorschlag wäre irgendwas in die Richtung:
  • Kurz zusammenfassen, auf was man achten muss (Grenzen für SVA, Einkommenssteuer, Studienbeihilfe, usw). Nicht, dass jemand ein paar Rechnungen ausstellt und dann überrascht ist, wenn sich die SVA meldet.
  • Beispiele für Agentur-Preise und Vorschlag wie man von denen abweichen kann
  • Pro/contra Schwarzarbeit (eintreiben vom Geld, Steuern, Strafen, etc)
  • Erklären, wie sie sich einen Stunden-/Seiten-Satz (oder ähnliches) ausrechnen können. Damit kann man anderen helfen, damit sie sich nicht für 4 Euro/Stunde einspannen lassen bzw. ihnen helfen sich Arbeit zu suchen, die sich auch auszahlt
  • ———Hier ist bei Übersetzungen vielleicht interessant, einen Richtwert samt Beispielseiten zu posten, um die Aufwandsschätzung zu erleichtern?
  • Für Inserierende; kleines Beispiel was die gängigen Preise sind oder was man an Aufwand erwarten kann, damit die Angebote realistischer werden (ich denke hier sind auch viele eher blauäugig als nur gemein)


(ich bin sicher ich hab was vergessen, bzw. das andere Mitglieder sich besser auskennen, das oben ist nur eine recht naive Liste…)

Wenn man den Leuten hilft, die Entscheidungen zu treffen, kann man alle/die meisten Jobangebote ins Forum stellen, finde ich. Dann kann man es den Leuten selbst überlassen, ob das Angebot für sie OK ist oder nicht. Wenn ein/e Vollzeitstudent/in arbeiten will, ist ihnen so geholfen die Entscheidung zu treffen, ob z.B. 20 Seiten für 100 Euro Sinn machen oder ob es besser wäre einmal 2 Stunden für 50 Euro putzen zu gehen oder 10 Stunden/Woche wo einen Teilzeitjob zu haben.



(28.08.2014, 23:25)ralf schrieb: Deshalb verwundern mich solche Anfragen immer, wie kommen die Leute (oder sogar Firmen) auf die Idee, hier anzufragen?

Ich bin da meistens von der "Never attribute to malice that which is adequately explained by stupidity" (bzw ignorance) Schule (spart Nerven). Wollen was günstiges, haben keinen Plan was es kostet. Sind aber sicher auch welche dabei, die genau wissen, was es kostet, und es auf gut Glück versuchen.

(28.08.2014, 23:25)ralf schrieb: Wäre das sinnvoll oder sollte erst nachträglich eingegriffen werden?

Ich denke es kommt auf die Anzahl der Angebote an, damit es den Admins auch zumutbar ist. Falls es moderiert wird, würde ich auf jeden Fall eine Standard-Antwort vorbereiten, die den Leuten erklärt wieso es abgewiesen wurde (auch mit Richtpreisen, wenn das der Knackpunkt wäre).

Und sonst halt die Studenten/Forumsmitglieder/Jobsuchende so gut es geht informieren. Dein Post ist diesbezüglich eh schon super, aber in einem Thread geht die Information halt schnell unter.
 
#11
Also ich wäre auch für ein neues Unterforum. Darin dann ein paar Erklärungen und Richtwerte als Sticky, und die Erlaubnis unverschämte Angebote auch als solche zu brandmarken. Wink Ich kann mir nämlich vorstellen dass manche das als ungehörige Einmischung empfinden, wenn etwas aber zu unverschämt ist kann man das auch ruhig sagen. Dadurch sollte ja niemand mehr unwissend in die Falle tappen. Eine Zensur, äh... Moderation find ich persönlich nicht so toll: Unnötiger Aufwand, und einfach aus Prinzip.

Auf was für einen Stundenlohn kommt dann bei 20 Cent/Zeichen circa? Übersetzer sind ja fürchte ich nicht so gut bezahlt... Sad Sind ja rosige Aussichten.
 
#12
Weil's dazu passt:
ein Artikel im Standard mit dem Titel "Was Übersetzer verdienen".
http://derstandard.at/2000006012854/Was-...-verdienen
nama mugi nama gome nama tamago
サラダの皿だ。
 
#13
@ Yunyo

Danke für den interessanten Link. Was darin nicht erwähnt wird, ist, dass das Honorar für Übersetzer für Japanisch, Chinesisch und Koreanisch in der Regel deutlich höher ist.

Hier ein Link mit entsprechenden Informationen:

http://www.universitas.org
 
  




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